Der Seidenstreik
Der Frauenstreik in der «Industriegesellschaft für Schappe», Arlesheim, dauerte vom 4. Juni bis 19. Juli 1945. Der Streik war der Auftakt einer schweizweiten Streikwelle.
Der Seidenstreik
Das Stück erzählt die Geschichte des Streiks in der Schappe aus der Perspektive der Arbeiterinnen. Die Aktualitötsbezüge wie die immer noch bestehenden Lohnungleichheiten und andere frauenrechtliche Forderungen sind frappant.
Die Frauen sind in der Fabrikhalle am Sortieren und putzen von Schappe. Sie unterhalten sich über alles Mögliche aber vor allem über ihre persönlichen Sorgen und die prekäre finanzielle Situation. Der Lohn ist karg, ungerecht – die Männer verdienen für die gleiche Arbeit bedeutend mehr – und reicht nirgends hin. Dazu kommt die Doppelbelastung Huashalt und Fabrikarbeit. Schlieslich präsentieren sie der Direktion einen Forderungskatalog. Als diese ablehnt, beschliessen die Frauen zu streiken.
Aufführungen:
Setzwerk Arlesheim, 4144 Arlesheim
«Mer kenne nit, mer kenne nit, s’git nit, s’git nit.» sagte der Direktor. «Ja, in Gottes Namen, dann haben wir halt gestreikt. Haben wir gesagt, jetzt lassen wir es darauf ankommen (lacht) Sieben Wochen Ferien gehabt.»
Streik!
«Dank neuer Kunst- und Mischfasergarnen (Vistra-Garne aus Viskose) erzielte die Schappe in den Kriegsjahren Geschäftserfolge und wurde sogar durch den Bau eines eigenen Elektrizitätswerks und den Neubau der Shedhallen modernisiert. Nur die Reallöhne blieben auf dem Niveau der krisenreichen Dreissigerjahre oder sogar darunter. Für die Arbeiterinnen, die den Grossteil der Belegschaft ausmachten, bedeutete dies obendrein im Durchschnitt nur 76% von dem, was ein männlicher Kollege verdiente – und dies bei den in der Branche üblichen Tiefstlöhnen. Diese Misstände führten zu Spannungen, die sich gleich nach dem Krieg in einem Streik der rund 400 Arlesheimer Arbeiterinnen (und Arbeiter) entluden. Der zuweilen als erster «Frauenstreik» bezeichnete Arbeitskonflikt dauerte vom 4. Juni bis zum 19. Juli 1945. Ihm wurde schweizweit grosse Beachtung zuteil und die Streikenden erhielten viel Unterstützung durch Sammelaktionen. Sie konnten schliesslich einen Gesamtarbeitsvertrag, eine Lohnerhöhung und mehr Ferien durchsetzen. Ausserdem zeitigte der Streik eine Signalwirkung für die Streikwelle in den Folgejahren und hatte Auswirkungen auf die nationale Sozialpolitik.»
Kiki Lutz, Lexicon de Jura
Die «Schappe»
Die Schappe – 1824 von Johann Sigmund Alioth in Basel gegründet, 1830 nach Arlesheim verlegt – war die erste Fabrik im Kanton Basel-Landschaft. Schappe oder Florettseide ist «Abfallseide», die im Gegensatz zur echten Seide erst gesponnen werden muss. Nach der Verlegung der Schappe nach Arlesheim wuchs diese kontinuierlich. 1863 wurden die ersten Dampfmaschinen installiert und neue Fabrikgebäude erstellt. Um 1870 arbeiteten 400 Arbeiter und Arbeiterinnen in der Schappe. Spätestens in den 1880er Jahren engagierte sich die Firmenleitung stark in den Bereichen Arbeitsschutz und Arbeiterfürsorge. So wurde z.B. eine Krankenkasse eingeführt. 1892 wurden Arbeitereinfamilienhäuser in Dornachbrugg errichtet und 1905 ein Arbeiterinnenwohnheim im Grellingen eröffnet.
1906 wurde die Florettspinnerei Ryhiner & Söhne, ehemals einer der grössten Arbeitgeber im Kleinbasel, übernommen. So hatte die Schappe ein wichtiges Basler Standbein gewonnen. Die Industriegesellschaft war danach eine von nur gerade drei bedeutenden Schappeunternehmen, die den ersten Weltkrieg überlebten. In der Weltwirtschaftskrise brach die Schappeproduktion ein. Es wurde deshalb auf die Herstellung einer Vielzahl von Mischfasergarnen umgestellt. 1959 wurde das Schwergewicht endgültig auf Synthetics gelegt. Trotzdem folgte der allmähliche Niedergang, in hohem Masse verursacht durch die billige ostasiatische Konkuzrrenz. 1967 kaufte der weltweit grösste amerikanische Textilkonzern Burlington die Schappe AG, trotzdem schrieb die Firma nur noch rote Zahlen. Im März 1977 wurde mit der Schliessung der Schappe Arlesheim der endgültige Schlusstrich unter eine über 150jährige Geschichte gezogen.
Aus der Schappe
Die Schappe
Schappe-Seide ist das Produkt aus nicht verweteten Seidenabfällen. Aus der Idee von Gründer J.S. Alioth wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts eine der modernsten Florett-Spinnereien weltweit. Das Foto ist einem Prospekt von 1910 für Garneinkäufer entnommen. Gezeigt wird Grösse und Modernität der Anlage.
Schappe-Familie
Die Familie Stöcklin wohnte von 1892 bis 1946 in einem der von der Firma 1892 gebauten Arbeiterhäuser. Die Häuser waren wegen des sehr günstigen Mietzinses sehr begehrt. Fast alle Familienmitglieder arbeiteten in der Schappe.
Martha Wäger
Streikführerin
Im Gewerkschaftsblatt Vorwärts wurde Martha Wäger als «Symbol der kampfentschlossenen und zukünftigen Arbeiterfrau» dargestellt.
Geschenke und Ehrungen zum Dienstjubiläum